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Boomjahre und Ölkrisen

Hans Ornstein
Im Jahr 1950 erwarb die Anglo-Iranian Oil Company die Mehrheitsbeteiligung an den Oelwerken Julius Schindler GmbH (OJS).
Sie wurden 1957 der deutschen BP angegliedert, die nun in Deutschland eigene Schmierstoffe herstellen konnte.

Ebenfalls 1957 verwirklichte Hans Ornstein einen weiteren Plan. Der Verarbeitungsbereich der deutschen BP sollte durch eine petrochemische Variante erweitert werden.

Er schloss einen Vertrag zwischen der BP und den Farbenfabriken Bayer, der zur Gründung der Erdölchemie GmbH (EC) in Köln-Worringen führte. Beide Gesellschaften besaßen je einen 50 %-Anteil.

Umwandlung zur Aktiengesellschaft und weitere Raffinerie-Standorte

Im Juni 1957 beschloss eine Gesellschafterversammlung in Hamburg die Umwandlung der BP Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH in eine Aktiengesellschaft.

Das Unternehmen erhielt nun den Namen BP Benzin und Petroleum Aktiengesellschaft. Der Umsatz überschritt erstmals die Milliardengrenze, und das Tankstellennetz war auf rund 3.000 Stationen angewachsen.

Da die Raffinerie in Hamburg für den steigenden Bedarf nicht mehr ausreichte, wurde in Dinslaken am Niederrhein eine zweite Raffinerie in Betrieb genommen. Sie wurde im Herbst 1960 im Beisein von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard eröffnet.

Dazu kam im Jahre 1967 eine dritte Raffinerie im bayerischen Vohburg in der Nähe von Ingolstadt.
BP-Tankstelle in den 50er Jahren

Ein neuer Tankstellen-Typ entsteht

Der wirtschaftliche Boom in Deutschland wurde indes gegen Ende der sechziger Jahre durch eine Zeit der Stagnation abgelöst.

Die deutsche BP reagierte darauf mit strukturellen Veränderungen. Das Tankstellengeschäft wurde reorganisiert.

Bis 1969 war die Anzahl der Tankstellen mit fast 5.000 Stationen auf ein Rekordhoch gestiegen. Viele Tankstellen wurden auf Selbstbedienung umgestellt.

Der neue "Autoshop" verbreiterte die Einkommensbasis der Tankstellenpartner. Erstmals wurden an den deutschen BP Tankstellen neben Autozubehör unter anderem kleine Snacks und Zeitungen verkauft.

Im Jahre 1971 wurde der Sitz der deutschen BP, der bisher in der Hamburger Innenstadt lag, in die Geschäftsstadt Nord verlegt, wo ein eigenes Gebäude errichtet wurde, das damals zu den modernsten in Deutschland zählte.

Eintritt in den Gas- und Kohlemarkt

Die erste Ölkrise 1973 führte zu weiteren Veränderungen in der Geschäftsausrichtung der deutschen BP. Neben dem Vertrieb und der Verarbeitung von Öl suchte das Unternehmen unter Leitung von Dr. Hellmuth Buddenberg neue Wachstumschancen in anderen Energiebereichen.

Man wagte den Eintritt in den Gas- und Kohlemarkt.
Tankstelle 1982

Umwandlung in Deutsche BP Aktiengesellschaft – Vertrag mit Veba

Um der Stellung der deutschen BP innerhalb der weltweit tätigen BP Gruppe Rechnung zu tragen, fasste die Hauptversammlung im März 1974 den Beschluss, den Namen des Unternehmens in Deutsche BP Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Einen Durchbruch erbrachte der Vertrag mit der Veba-Jahre 1978, der aber erst im März 1979 durch das 'Ja' des damaligen Wirtschaftsministers Graf Lambsdorff genehmigt und erfüllt wurde.

Die deutsche BP erhielt eine Beteiligung von 25 % an der Ruhrgas AG, weitere Anteile an der Deutschen Flüssigerdgas Terminal GmbH (DFTG) und an den Raffinerien Ingolstadt und Speyer.

Außerdem erwarb sie den Stinnes-Stromeyer-Brennstoffhandel und die Stinnes-Fanal-Organisation.

Gleichzeitig verpflichtete sich die BP, der Veba AG bis zum Jahr 2000 jährlich drei Millionen Tonnen Rohöl zu liefern. Es war bis dahin eine der größten Transaktionen in der Geschichte der europäischen Ölindustrie.

Alternative Energiequellen und zweite Ölkrise

Die achtziger Jahre standen im Zeichen neuer Strategien im Kampf um die Energieversorgung. Die Suche und Förderung von Erdöl wurde immer schwieriger und zwang zum Nachdenken über neue alternative Energiequellen.

Im Jahre 1981 begann die internationale BP Gruppe mit der Nutzung der Sonnenenergie und gründete die BP Solar, die weltweit zum führenden Unternehmen seiner Art wurde.

Weltpolitische Veränderungen, der Sturz des persischen Schahs, die Machtergreifung durch Ajatollah Khomeini und der Krieg zwischen Irak und Iran lösten eine Ölpreisexplosion und damit eine neue Ölkrise aus.

Bedingt durch Überkapazitäten kam es Ende 1985 zur Schließung der beiden Raffinerien in Hamburg und Dinslaken.

Die bayerische Raffinerie in Vohburg bildete einen Verbund mit der Raffinerie Ingolstadt, an dem außer der Deutschen BP die AGIP Deutschland der italienischen ENI Gruppe und später auch andere Gesellschaften beteiligt waren.

Heute heißt das Unternehmen Bayernoil Raffineriegesellschaft mbH, an der die deutsche BP aktuell mit 22,5 % sowohl direkt als auch indirekt beteiligt ist.

Im Februar 1989 änderte die BP weltweit ihr Erscheinungsbild unter dem Motto 'Horizon'. Es sollte die strukturellen Veränderungen und das gestiegene Selbstbewusstsein auf dem Weltmarkt versinnbildlichen.

Der Horizont sollte erweitert und neu gesteckte Ziele erreicht werden.

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