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Die Peak Oil-Theorie: Eine Metapher für Zukunftsangst

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"Nach meinem heutigen Wissen ist der Gipfel der weltweiten Ölproduktion noch lange nicht erreicht. Eher werden wir einen Höhepunkt bei der Nachfrage erleben."
Redner : Dr. Michael Daly
Datum der Rede : 10. September 2007
Ort der Rede : 200-Jahr-Feier der Geological Society, London
Titel : Vizepräsident, Exploration & Long Term Renewal, BP Group
Maßgeblich ist der Wortlaut des englischen Originals

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren. Ich fühle mich sehr geehrt über Ihre Einladung zu dieser 200-Jahr-Feier der Geological Society, insbesondere zu einem derart wichtigen Thema wie der Zukunft des Öls.

Man hatte mich gebeten, über die Zukunft der Ölversorgung nach dem Peak Oil, dem Gipfel der Erdölproduktion, zu referieren. Das allerdings ist eine These, die ich so nicht unterschreiben kann. Für mich sind rückläufige Erdölreserven keine zwingende Tatsache, zumindest nicht aufgrund einer fundamentalen Ressourcen-Verknappung.

Nach meinem heutigen Wissen ist der Gipfel der weltweiten Ölproduktion noch lange nicht erreicht. Eher werden wir einen Höhepunkt bei der Nachfrage erleben.

Da ich in meinem Beruf ständig auf der Suche nach neuen Feldern bin und Verhandlungen um Zugang zu neuen Explorationsgebieten führe, sehe ich die Dinge anders.

In unserer Welt wartet noch immer eine Fülle von Ressourcen auf ihre Entdeckung und Erschließung. Ob Geologie oder Ressourcen, Technologien oder Möglichkeiten – Grenzen kann ich hier keine erkennen. All diese Herausforderungen lassen sich mithilfe fundierter Wissenschaft, hervorragender Mitarbeiter und neuer Technologien bewältigen.

Eine eventuelle Begrenzung ist aus meiner Sicht vor allem auf einen Faktor zurückzuführen: die Politik. Einige Länder zögern, ausländischen Unternehmen Zugriff auf ihre Ressourcen zu gestatten, andere nutzen Öl als Druckmittel für ihre nationalistische Politik. Diese Abgrenzung verhindert den freien Fluss von Investitionen – und bedroht damit auch unsere zukünftige Energieversorgung.
Für unsere Branche ist diese Abgrenzung der wichtigste Grund zur Besorgnis; daher auch mein Vortragstitel, der darauf anspielt, dass der aktuelle "Rummel" um rückläufige Erdölreserven eigentlich nur eine Metapher ist. Und zwar für eine viel tiefer greifende Angst der westlichen Welt vor einem Verlust der Energiesicherheit, geschürt durch Politik und die Furcht vor dem Klimawandel, und nicht durch tatsächliche geologische Grenzen oder schwindende Ressourcen.

Aufgrund der hohen und volatilen Preise der letzten Jahre ist Energiesicherheit ein wichtiges Thema geworden. Heutzutage steht die unaufhaltsam wachsende Nachfrage einer sinkenden Angebotsvielfalt gegenüber, während wir uns gleichzeitig mit einer immer stärkeren Politisierung der bestehenden Öl- und Gasvorräte konfrontiert sehen.

Wenn wir unsere Energieversorgung nicht besser absichern, könnte die gesamte Weltwirtschaft Schaden nehmen und dies wiederum eine Einschränkung unseres Lebensstils bedeuten. Einige fürchten sogar, dass dies letztendlich zu Ausschreitungen und Konflikten führen könnte.

Als Geowissenschaftler können wir zu einer besseren Energiesicherheit beitragen, insbesondere durch Diversifizierung des Angebots. Anders gesagt – je mehr unterschiedliche Energiequellen wir auftun und erschließen, desto leichter lassen sich Ersatz und Alternativen beschaffen, falls eine wichtige Quelle einmal ausfallen sollte. (...)
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