In einem Jahr geprägt von Unruhe und Wachstum lieferten offene Energiemärkte den Schlüssel zur Stabilität
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Mit dem Statistical Review of World Energy 2012 veröffentlicht BP den 61. Jahresbericht zu Energieproduktion und -verbrauch. Die wichtigsten Themen und Tendenzen 2011: Versorgungsunterbrechungen sowie ein kontinuierlich steigender Energiekonsum.
Auf den ersten Blick hatte der 'Arabische Frühling' deutliche Auswirkungen auf die globale Öl- und Gasversorgung – vor allem aufgrund des kompletten, obgleich vorübergehenden Ausfalls libyscher Quellen – während das Reaktorunglückim japanischen Fukushima nicht nur im Atomsektor einen weltweiten Dominoeffekt auslöste. In vielen Regionen der Welt sorgten diese einschneidenden Marktschocks für einen starken Anstieg der Energiepreise, und auch der Ölpreis erreichte erstmals seit Beginn unserer Aufzeichnungen einen Rekord-Durchschnittswert von mehr als 100 Dollar pro Barrel (bbl).
Gleichzeitig setzten sich mehrere fundamentale Langzeittrends fort: Beispielsweise erhöhte sich der weltweite Energiekonsum um 2,5 % – eine dem historischen Durchschnitt entsprechende Steigerungsrate – und die Schwellenländer konnten ihren Anteil an diesem Gesamtverbrauch weiter ausbauen. So ging die Nachfrage in den OECD-Ländern 2011 um etwa 0,8 % zurück; gleichzeitig zog sie in den Schwellenländern um 5,3 % an.
"Die gute Nachricht: Mittlerweile werden in vielen Bereichen die positiven Auswirkungen dieses Wettbewerbs-, Innovations- und Wachstumsprozesses sichtbar. Zum Beispiel bei Schiefergas, Öl und Gas aus Tiefseeförderung, Schweröl und – potenziell – einer neuen Generation von Biokraftstoffen", ergänzt Dudley.
Dudley betonte am Beispiel der USA, wie die Schiefergasrevolution zu einer deutlichen Senkung der Erdgaspreise beitragen kann, die dort – im Vergleich zu Öl – aktuell einen einmalig niedrigen Stand erreicht haben. Als willkommener Nebeneffekt vermeldeten die USA, dank der Förderung von Schieferöl, zum dritten Mal in Folge den größten Ölproduktionsanstieg außerhalb der OPEC-Länder. Dieses US-Beispiel "verdeutlicht, wie ein offenes und wettbewerbsfreundliches Marktumfeld technische Innovationen und den Zugriff auf neue Ressourcen fördert. Entscheidungsträger sollten sich daran orientieren und dieses wettbewerbsfreundliche Modell – wo immer möglich – unterstützen." Außerdem sorgt dieser Prozess "für mehr Energiesicherheit, da er Länder darin bestärkt, ihre eigenen nationalen Ressourcen zu erschließen, während er gleichzeitig einen dynamischen globalen Markt unterstützt."
Marktüberblick
Im Rahmen seiner Präsentation des Statistical Reviews ging Christof Rühl, Chefökonom der BP Gruppe, auch auf die allgemeinen Hintergründe des Jahres 2011 ein: "In Teilen der arabischen Welt behinderten politische Unruhen und Gewalt die Öl- und Gasproduktion oder brachten sie sogar zum Erliegen; in Japan dominierte die Fukushima-Katastrophe und eine erdbebenbedingte Einschränkung der Stromproduktion aus Kohlekraftwerken die Schlagzeilen, gefolgt von weiteren Reaktorschließungen in Japan und Europa; gleichzeitig lag der Ölpreis im Jahresdurchschnitt erstmals über 100 Dollar; die ersten strategischen Ölreserven seit 2005 wurden freigegeben; die OPEC vermeldete den größten Produktionssprung seit 2008; Europa verzeichnete einen ungewöhnlich Wetterumschwung, und extreme Überschwemmungen in Australien behinderten die Kohleförderung – langweilig war dieses Jahr also sicher nicht.""Zugleich lassen die aggregierten Daten auf nichts Ungewöhnliches schließen – sowohl das Bruttoinlandsprodukt als auch der steigende Energiekonsum bewegten sich genau im langjährigen Mittel."
"2011 war auch ein Jahr hoher Preisanstiege: Der Jahresdurchschnittspreis für Brent stieg um 40 %, ein einfacher Mittelwert der internationalen Kohlepreise um durchschnittlich 24 % - vor allem in Europa – und in den USA holte der Jahresdurchschnittspreis für Kohle fast den lokalen Gaspreis ein. Während Gas in den USA aufgrund der Schiefergasrevolution kontinuierlich günstiger wurde, zogen außerhalb Nordamerikas die Ölpreis-gebundenen Gaspreise aufgrund ebenfalls steigender Rohölpreise deutlich an."
Insgesamt steigerte sich der globale Energieverbrauch 2011 um 2,5 % und lag damit mehr oder weniger im historischen Schnitt, jedoch deutlich unter dem Vorjahreszuwachs von 5,1 %. Dieser Netto-Nachfragesprung war dabei allein den Schwellenländern zuzurechnen – in den OECD-Nationen sank der Verbrauch zum dritten Mal innerhalb der vergangenen vier Jahre, angeführt von einem starken Nachfragerückgang in Japan. Auf der Wachstumsseite zeichnete China für 71 % des Verbrauchsanstiegs verantwortlich.
Auch 2011 dominierten fossile Brennstoffe die globale Energienachfrage mit einem Marktanteil von 87 %, während erneuerbare Energien – trotz der höchsten Wachstumsrate – lediglich 2 % des globalen Konsums bedienten. Innerhalb der fossilen Energieträger verschob sich das Gleichgewicht kontinuierlich weiter: Zum zwölften Jahr in Folge verlor Öl – mit 33,1 % der weltweit führende Energieträger – Marktanteile. 2011 lag der globale Ölverbrauch nach einem unterdurchschnittlichen Zuwachs von 0,6 Millionen Barrel pro Tag (bpd) oder 0,7 % bei 88 bpd.
Große Produktionssprünge in den nahöstlichen OPEC-Ländern konnten Ausfälle in Libyen und anderen Ländern schließlich mehr als wettmachen, was u. a. Produktionsrekorde in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar mit sich brachte. Im Durchschnitt erzielte Brent 40 % höhere Preise als 2010 und wurde mit mehr als 100 Dollar pro Barrel so teuer gehandelt wie noch nie – selbst inflationsbereinigt lag der Preis mit 111,26 Dollar pro Barrel nur hinter dem damaligen Ausnahmeergebnis von 1864. Ihren Spitzenwert erreichten die Rohölpreise im April, als der libysche Nachschub versiegte, und auch die Differenz zwischen den Brent- und West Texas Intermediate (WTI)-Richtwerten erreichte 2011 aufgrund nordamerikanischer Infrastrukturengpässe einen neuen Höchststand.
Laut Rühl "hat Erdgas in den vergangenen Jahren einige der größten Umwälzungen auf den globalen Energiemärkten eingeleitet: Erstens, durch die rapide Ausweitung des Handels (insbesondere von LNG), der bisher voneinander getrennte Regionen immer flexibler miteinander vernetzt. Zweitens hat die Erschließung und Förderung unkonventioneller Ressourcen in den USA zu dieser Entwicklung beigetragen – also zu einem Trend, der suggeriert, dass Gas bald eine reichlich verfügbare Ressource sein könnte. Beide Phänomene haben 2011 entscheidend geprägt. Und auch bei der Bewältigung der Ausfälle und Umwälzungen des vergangenen Jahres haben sie eine wichtige Rolle gespielt."
Global gesehen stieg der Erdgasverbrauch um 2,2 %. Dieses Wachstum fiel in allen Regionen unterdurchschnittlich aus; eine Ausnahme bildete Nordamerika, wo die Schiefergasrevolution mit niedrigen Preisen ein robustes Wachstum förderte. In Europa sank die Gasnachfrage angesichts der geschwächten Wirtschaft, hoher Preise, warmen Wetters und dem kontinuierlichen Ausbau erneuerbarer Energien erstmalig um fast 10 % (- 9,9 %).
Auch der Handel mit Erdgas intensivierte sich, allerdings nur um 4 %. Dies war vor allem auf einen Zuwachs (10,1 %) bei Flüssiggas (LNG) zurückzuführen, zu dem Katar (+34,8 %) einen Löwenanteil von 87,7 % beitrug.
Die Kohleproduktion stieg erneut stärker als die aller anderen fossilen Brennstoffe, mit entsprechenden Konsequenzen für den weltweiten CO2-Ausstoß. Aktuell liegt der Anteil von Kohle am globalen Energiekonsum bei 30,3 % und damit so hoch wie seit 1969 nicht mehr. Gleichzeitig sank die Kohlenachfrage in den OECD-Nationen um 1,1 %, obwohl in der EU – aufgrund der Umleitung von Erdgas nach Asien – 3,6 % mehr Kohle zum Einsatz kam. In allen Regionen wurden Preissteigerungen registriert.
"Auf dem Kohlemarkt passten sich Produktion und Handelsmuster an die geänderten Marktbedingungen an. So konnte Kohle die globale Versorgungssicherheit untermauern", erklärt Rühl.
Währenddessen erlebte die Atomsparte einen Einbruch von 4,3 %, so viel wie noch nie, was vor allem auf Rückgänge der Kernenergieproduktion in Japan (-44,3 %) und Deutschland (-23,2 %) zurückzuführen war. Wasserkraft stieg 2011 um magere 1,6 % - die niedrigste Wachstumsrate seit 2003.
"Wenn man von den Auszeiten und Stilllegungen japanischer und deutscher Kernkraftwerke absieht, fielen die globalen Auswirkungen von Fukushima auf die Energiemärkte eher mild aus", so Rühl.
Andererseits stieg die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen mit 17,7 % überdurchschnittlich schnell – hierfür war vor allem Windkraft (+25,8 %) verantwortlich, die erstmals mehr als die Hälfte dieses Segments abdeckte und in den USA und China ihre größten Zuwächse vermeldete. Auch Solarenergie legte mit 86,3 % kräftig zu, allerdings von einem relativ geringen Basiswert ausgehend.
Insgesamt deutet die Datenlage auf einen weiteren energiebedingten Anstieg der globalen CO2-Emissionen hin, allerdings etwas weniger ausgeprägt als noch im Vorjahr.
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